Unsere Haare

Aufbau, Wachstum und Lebensphasen

Die Frisur eines jeden Menschen verrät ein bisschen etwas über seine Persönlichkeit. Mit dem Style der Haare passen sich die Menschen an das Stilbild ihrer Umgebung an – oder wollen auffallen. Haare gehören zu den Schlüsselreizen eines jeden ersten Eindrucks, den man von seinem Gegenüber bekommt. Gepflegt, modebewusst, eher unauffällig – oder gar licht? Während es als Kind und Jugendlicher selbstverständlich war, Haare auf dem Kopf zu tragen und sich daran auszuprobieren, kann es im fortschreitenden Alter leider zum Verlust der Haarpracht kommen. Und das betrifft sogar sehr viele Menschen.

Aufbau der Haare

Das einzelne Haar setzt sich aus Eiweißen, Wasser sowie Pigmenten, Mineralien und Fetten zusammen. Es besteht außerdem aus zwei verschiedenen Faserarten – einer kompakten und einer dehnbaren Faser. In der Haarmitte befindet sich das „Haarmark“, das von einer Vielzahl an Kortexzellen umgeben ist. Ineinandergeschlungen bilden sie den Hauptteil des Haares. Diese Schicht ist für Elastizität und Reißfestigkeit verantwortlich.

Die verschiedenen Haarphasen

  1. Wachstumsphase
    Jede einzelne Haarwurzel befindet sich über einen Zeitraum von zwei bis sechs Jahren in der Wachstumsphase. Das Haar wächst dabei täglich um etwa 0,3 mm, also etwa 1 cm im Monat.
  2. Übergangsphase
    Im Anschluss an die Zeit des aktiven Wachstums wird die Haarwurzel in der ein- bis zweiwöchigen Übergangsphase strukturell umgebaut.
  3. Ruhephase
    Während der Ruhephase verbleibt das alte Haar noch zwei bis vier Monate in der Haarwurzel. Gleichzeitig bildet sich ein neues Haar.
  4. Ausfall und neue Wachstumsphase
    Durch das nachwachsende Haar fällt das alte Haar aus. Eine neue Wachstumsphase beginnt.

Grafik Haarzyklus

Dass Haare ausfallen und sich erneuern, ist also ganz normal. Vor allem im Frühling und Herbst gibt es einen natürlichen „Fellwechsel“. Die Haare sind in den Monaten dazwischen in einer längeren Ruhephase und fallen dann vermehrt aus. Das ist zu diesen Jahreszeiten aber ganz normal und noch kein Indikator für Haarausfall.

100 Haare am Tag – wie viele sind das genau?

Der Richtwert eines „normalen Haarausfalls“ liegt bei circa 100 Haaren. Doch wie soll man diese zählen? Da sich Haare auf dem Kopfkissen, in der Haarbürste und auf der Kleidung verteilen können, lässt sich die Zahl schlecht definieren. Auch wer seine Haare beispielsweise nur jeden dritten Tag wäscht und bürstet, hat dann dreimal so viele Haare im Waschbecken, als würde er dies jeden Tag tun. Die losen Haare bleiben über die Tage im Schopf hängen, kommen dann erst mit der Bürste raus und wirken sehr viel. Jedoch ist diese Menge dann völlig normal. Ein besserer Indikator für möglichen Haarausfall ist es deshalb, die Kopfhaut auf den Scheitel, die Geheimratsecken, kahle Stellen oder einen dünner werdenden Haarzopf zu beobachten, gepaart mit den Haaren, die man in der Bürste und auf der Kleidung findet.

Normaler Haarausfall: Was strapaziert unser Haar?

Haarausfall kann auch mechanische Ursachen haben: Enggeschnürte Zopfgummis zum Beispiel oder das ständige Tragen einer Mütze oder eines Helms. Außerdem kann auch eine längere Bettlägerigkeit zu Haarausfall führen. Dieser Haarausfall ist nicht krankhaft, sondern dem ständigen Zug, Druck oder der Reibung geschuldet. Übermäßig viele Haare können auch in der Bürste sein, wenn längere Haare nach dem Waschen verknoten und sie mit starkem Zug trotzdem durchgekämmt werden.

Expertenrat

„Egal, was Haarausfall verursacht: es belastet. Denn niemand fühlt sich wohl, wenn das Haar immer lichter wird. Wenn Sie das Gefühl haben, es fallen mehr Haare aus als üblich, suchen Sie sich Hilfe.

Haarsprechstunden gibt es in Deutschland verteilt und auch der Dermatologe kann Antworten geben. Wichtig ist dabei, dass Sie ihre aktuelle Situation und ihre Familiengeschichte, wenn sonst jemand Haarausfall hat, erklären. Haarausfall muss wie eine Krankheit betrachtet werden. Nur so kommt man zur Ursache und kann eine Lösung entwickeln.“

Dr. Lutz - Dermatologe aus Bonn